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Baden-Württembergische China-Gesellschaft:
Von der Gründung bis heute

von Prof. Dr. Horst Sund, Konstanz*

Am 22. Juli 1983 wurde unsere Gesellschaft in Heidelberg unter dem Namen Baden-Württembergische China-Gesellschaft zur Förderung der wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China e.V. gegründet.
Die Gründung ging zurück auf die Initiative von Ministerpräsident Lothar Späth. Er bat Professor Dr. Matthias Seefelder, den damaligen Vorstandsvorsitzenden der BASF, zu einer Gründungsversammlung einzuladen, und "den Vorsitz einer Gesellschaft zu übernehmen, die die Einzelaktivitäten verschiedener Hochschulen in Partnerschaften mit chinesischen Universitäten zusammenfassen sollte". Neben Professor Seefelder gehörten zu den Initiatoren auch Wissenschaftsminister Professor Helmut Engler und Professor Paul Gerhardt von der Universität Heidelberg.
Die ursprüngliche Idee war es, die an verschiedenen Orten Baden Württembergs lebenden Gäste aus China zusammenzuführen und systematisch mit der Kultur und der Wirtschaft Baden-Württembergs bzw. der Bundesrepublik Deutschland bekannt zu machen. Einbezogen werden sollten insbesondere Industrie und Wirtschaft, denn vor 20 Jahren wurde noch festgestellt: €žDie deutsche Industrie sei erstaunlich wenig in China vertreten." Und weiter heisst es im Gründungsprotokoll: €žDiese geringe Repräsentanz sei nicht nur bedauerlich, sondern auch von Nachteil für die Wirtschaft, denn Deutschland geniesse immer noch ein grosses Ansehen in China." Lässt man die letzten 20 Jahre an sich vorüberziehen, dann wird aufgrund dieser Aussage deutlich, wie sehr sich die Beziehungen zwischen China und Deutschland entwickelt haben und dass von einer zu geringen Repräsentanz heute nicht mehr die Rede sein kann. Die deutsche Industrie und auch die deutschen Hochschulen sind in China sehr präsent und aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken. In Shanghai gibt es allein um die 500 Repräsentanten, Joint Ventures und deutsche Firmen, die Zahl der Partnerschaften zwischen baden-württembergischen und chinesischen Hochschulen beläuft sich auf 89, die Hälfte davon entfallen auf die Partnerprovinzen Liaoning, Jiangsu und Shanghai.
Wesentliche Aufgabe der Gesellschaft sollte es auch sein, das gegenseitige Verständnis und Kennenlernen zu fördern, Einzelaktivitäten zu koordinieren und persönliche Kontakte zu unterstützen.
Da nicht nur Wissenschaft und Technik zum Förderkatalog gehören sollten, sondern auch kulturelle und wirtschaftliche Aktivitäten, wurde der Name der Gesellschaft 1990 allgemeiner gefasst. Er heisst heute China-Gesellschaft e.V. Baden-Württembergische Gesellschaft zur Förderung der Zusammenarbeit mit der VR China. Um keine Verwechslungen mit anderen China-Gesellschaften hervorzurufen, wird im allgemeinen Sprachgebrauch von der Baden-Württembergischen China-Gesellschaft gesprochen.
In der Vorbereitungsphase lautete der Arbeitstitel der Gesellschaft Verein der Freunde der Partnerschaften mit chinesischen Hochschulen, ein deutlicher Hinweis darauf, dass ursprünglich im wesentlichen im Zentrum der Aktivitäten die Pflege der Hochschulpartnerschaften stehen sollte. Das hat sich mittlerweile entsprechend der neuen Zweckbestimmung geändert.
In der Gründungsversammlung am 22. Juli 1983 in Heidelberg, an der 26 Personen aus Wirtschaft und Industrie, den Hochschulen und der Landesregierung teilnahmen, wurde das besondere Interesse der Landesregierung an der China-Gesellschaft betont. Zu Vorstandsmitgliedern wurden gewählt:

  • Prof. Dr. Matthias Seefelder, Aufsichtsratsvorsitzender der BASF, Ludwigshafen, als Vorsitzender,
  • Prof. Dr. med. Paul Gerhardt, Fakultät für Klinische Medizin 1 der Universität Heidelberg, als Stellv. Vorsitzender,
  • Direktor Dr. Wilhelm Schuth, Deutsche Bank, Heidelberg, als Schatzmeister,
  • Direktor Heinz C. Hoppe, Vorstandsmitglied der Daimler-Benz AG, und
  • Prof. Dr. Wolfgang Thomassen, Fachhochschule Konstanz.

(Anm. der Web-Redaktion: Weitere Infos zum Vorstand und Beirat finden Sie auf den jeweiligen Seiten dieses Webs.)

Satzung und Satzungszweck der Gesellschaft

Die Satzung legt den Zweck und die Ziele der Gesellschaft fest. Danach ist es ihre Aufgabe, die Verbindung zu chinesischen Hochschulen sowie anderen wissenschaftlichen, technischen, wirtschaftlichen und kulturellen Einrichtungen zu festigen und zu vertiefen und chinesische Wissenschaftler, Studenten, Praktikanten und Delegationen bei Aufenthalten in Baden-Württemberg zu unterstützen und zu betreuen. Der Gesellschaftszweck soll vor allem verwirklicht werden durch die:

  • Unterstützung chinesischer Wissenschaftler, Studenten und Praktikanten beim Erlernen der deutschen Sprache,
  • Unterstützung bei der Vermittlung von Kontakten chinesischer und deutscher Wissenschaftler, Studenten und Praktikanten zu wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturpolitischen Einrichtungen sowie zu Hochschulen in Baden-Württemberg und in der Bundesrepublik Deutschland sowie in der Volksrepublik China,
  • Beschaffung von Lehrmaterial und Sachmittel für die Partnerhochschulen in der Volksrepublik China,
  • Unterstützung und Mitwirkung von China-bezogenen, insbesondere wissenschaftlichen Projekten und
  • Nachbetreuung von Ehemaligen.

Dieser Satzungszweck ist sehr weit gefasst und lässt alle Möglichkeiten offen, um Vorhaben und Interessen zu fördern, die die Verbindungen zwischen Baden-Württemberg und der Volksrepublik China betreffen und sowohl Industrie, Wirtschaft, Kultur und Hochschulen mit einbeziehen. Entsprechend waren auch die Förderungen durch die Gesellschaft, die als gemeinnützig anerkannt wurde und keinerlei öffentliche Zuwendungen erhält. Das Budget besteht ausschliesslich aus den Mitgliedsbeiträgen.
Die Satzung legt weiterhin

  • die Aufgaben der Mitgliederversammlung,
  • die Wahlen zum Vorstand und Beirat und deren Aufgaben, sowie
  • die rechtlichen Angelegenheiten

fest.

(weitere Infos zur Satzung hier)

Förderung

Entsprechend dem Satzungszweck wurden zahlreiche Vorhaben gefördert:

  • Betreuung von chinesischen Delegationen aus den Bereichen der Hochschulen,Medien, Politik, Verwaltung und Wissenschaft
  • Stipendien, Druckkostenzuschüsse und Arbeitsmaterialien für Doktoranden, Habilitanden, Wissenschaftler, Künstler, Dichter und Experten sowohl aus China wie auch aus Deutschland, z.B. in den Fächern
    • Germanistik
    • Musikwissenschaft
    • Philosophie
    • Politologie
    • Rechtswissenschaft
    • Sinologie und
    • Wirtschaftswissenschaften
  • Unterstützung von deutsch-chinesischen Freundeskreisen
  • Unterstützung chinesischer und deutscher Bibliotheken durch die Anschaffung deutscher Bücher und chinesischer Archivmaterialien
  • Übersetzungen vom Chinesischen ins Deutsche
  • Feuerwehrfonds 1989
  • Vermittlung von Kontakten
  • Unterstützung von Partnerschaften
  • Nachbetreuung von Chinesen, die in der baden-württembergischen Industrie, Wirtschaft oder an Hochschulen tätig waren
  • Vortragsveranstaltungen, Seminare und Tagungen
  • Reisen zur Vorbereitung von Partnerschaften und Projekten
  • Mannheimer China-Garten
  • Unterstützung des Aufbaus des chinesischen Wirtschaftsnetzes CANET, das aus dem Rechnerkopplungsprojekt zwischen Karlsruhe und Peking entstanden ist
  • Reisen deutscher Theatergruppen und Chöre zu Aufführungen in China
  • Kulturveranstaltungen wie Kunstausstellungen und Konzerte
  • Publikation der zwei Mal im Jahr erscheinenden Zeitschrift China-Report

Teilt man die wichtigsten finanziellen Förderungen in sechs Bereiche ein, so stellen die Stipendien mit etwa 45% den Hauptanteil dar, gefolgt von jeweils einem Sechstel für Tagungen und Projekte. Das restliche Viertel verteilt sich auf Bücher, Zeitschriften, Archivmaterialien, Druckkostenzuschüsse und kulturelle Veranstaltungen.
Die Antragstellung erfolgt formlos und unbürokratisch. Über sie wird zwei bis drei Mal pro Jahr in den Vorstandssitzungen bzw. im Umlaufverfahren entschieden. Jeder kann einen gut begründeten Antrag stellen, sofern ein Bezug zu Baden-Württemberg und China besteht.
Die Gesellschaft würde auch gerne über Baden-Württemberg hinaus gehen. Sie ist mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln dafür aber zu klein und muss sich daher auf unser Bundesland beschränken.

 

Vortragsveranstaltungen

Höhepunkt der Aktivitäten der Gesellschaft ist die jährliche Mitgliederversammlung mit der anschliessenden Vortragsveranstaltung, zu der namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingeladen werden, unter anderem die früheren deutschen Botschafter in Peking sowie die chinesischen Botschafter in Bonn:

  • Dr. Per Fischer (Botschafter in Peking von 1984 bis 1987),
  • Professor Guo Fengmin (Botschafter in Bonn von 1985-1988),
  • Dr. Hannspeter Hellbeck (Botschafter in Peking von 1987 bis 1992)
  • Professor Lu Qiutian (Botschafter in Bonn bzw. Berlin von 1997 bis 2001),
  • Professor Mei Zhaorong (Botschafter in Bonn von 1988 bis 1997),
  • Dr. Ma Canrong (Botschafter in Berlin seit 2002),

Weitere Vorträge, auch auf anderen Veranstaltungen, wurden aus den Bereichen Rechtswissenschaft, Technik, Wirtschaft, Kunstwissenschaft, Geschichte, Literaturwissenschaft, Sinologie, Theologie sowie zu Gegenwartsproblemen und Zukunftsperspektiven Chinas gehalten.

 

China-Report

Seit 1986 gibt die Baden-Württembergische China-Gesellschaft den China-Report heraus, dessen 40. Ausgabe zum zwanzigjährigen Jubiläum der Gesellschaft erscheint. Behandelt werden in
Übersichtsartikeln

  • die chinesisch-deutschen Beziehungen, insbesondere im Hinblick auf Baden-Württemberg und seine Partnerprovinzen Jiangsu, Liaoning und Shanghai,
  • Partnerschaften zwischen Hochschulen und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen,
  • interkulturelle und religiöse Fragestellungen,
  • aktuelle juristische Aspekte,
  • industrielle und technische Projekte,
  • wirtschaftliche Fragen, die die Marktwirtschaft betreffen, sowie
  • das von Baden-Württemberg unterstützte Management-Programm zwischen der Jiatong-Universität in Shanghai und der Universität Konstanz.

Neben zahlreichen kleinen Informationen wird im China-Report auch berichtet über

  • Delegationsreisen von Baden-Württemberg nach China und deren Gegenbesuche,
  • verschiedenartige Partnerschaften,
  • das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg in Shanghai, das durch Mitglieder unserer Gesellschaft wie der Mainau und der Fa. DaimlerChrysler, finanziell auch von der China-Gesellschaft unterstützt wird, und
  • wichtige Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt.

 

Ausblick

Auch in Zukunft wird es die besondere Aufgabe der Baden-Württembergischen China-Gesellschaft sein,

  • den interkulturellen Dialog zwischen unseren Ländern, insbesondere mit unseren Partnerprovinzen Jiangsu, Liaoning und Shanghai zu fördern,
  • Besucher und Studierende zu betreuen,
  • auf Grund des von der Baden-Württembergischen China-Gesellschaft entwickelten Netzwerkes als Informationsbörse zu dienen und
  • vor allen Dingen auf den bisher geförderten zahlreichen Gebieten immer dort aktiv zu sein und zu unterstützen, wo Mittel fehlen oder die der öffentlichen Hand nicht
    ausreichen. Im Vordergrund stehen dabei Vorhaben, die die Verbindungen zwischen Baden-Württemberg und der Volksrepublik betreffen und sowohl Industrie, Wirtschaft, Kultur und Hochschulen mit einbeziehen.

Nach wie vor fühlt sich die Baden-Württembergische China-Gesellschaft dieser Aufgabe verpflichtet. Sie ist überzeugt davon, dass sie auch weiterhin eine wichtige Funktion in der erfolgreichen Verbindung zwischen Baden-Württemberg und China im Sinne der Gründungsidee erfüllt.

 

Fussnote:
* Vorsitzender der Baden-Württembergischen China-Gesellschaft