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ÜBERSETZERWETTBWERB SHANGHAI 2009

Von Professor Dr. Thomas Zimmer, Bonn

Der im Frühjahr zum 4. Mal in Folge vom Goethe-Institut Shanghai gemeinsam mit dem CDHK veranstaltete Übersetzerwettbewerb, bei dem jeweils ein Text aus dem Werk eines deutschen und eines chinesischen Schriftstellers von chinesischen Germanistik-Studenten und deutschen Studenten der Sinologie in die eigene Sprache übertragen werden sollte, stand diesmal im Zeichen der Städte Shanghai und Frankfurt. Eine Jury, der dieses Mal Professoren der Shanghaier Universitäten Tongji und Fudan angehörten, hatte als deutschen Text einen Abschnitt aus Der Mond und das Mädchen des Frankfurter Schriftstellers Martin Mosebach ausgewählt. Der chinesische Text stammte aus Yuese liaoren (Verführerischer Mondschein), einem soeben erschienenen Buch der in Shanghai lebenden Schriftstellerin Wang Anyi, die dort ebenfalls den Schriftstellerverband leitet. Beide Schriftsteller gehören zu den wichtigsten Autoren ihrer Länder, Frau Wang hatte im Jahr 2000 mit dem Mao-Dun-Preis die wichtigste Auszeichnung erhalten, die China an seine Autoren vergibt. Martin Mosebach war 2007 mit dem Büchner-Preis ausgezeichnet worden. Höhepunkt des Wettbewerbs war wie in den vergangenen Jahren eine Podiumsdiskussion der beiden Autoren unter dem Titel "Dickicht der Grossstadt" am 20. Mai 2009 im CDHK, gefolgt von einem Übersetzer-Workshop wenige Tage darauf.
Der Übersetzerwettbewerb selber, welcher dankenswerterweise in diesem Jahr von der Baden-Württembergischen China-Gesellschaft mit einer grosszügigen Spende für den Gewinner der Übersetzung ins Deutsche unterstützt wurde, erfreute sich nach einer etwas schwächeren Beteiligung im vergangenen Jahr wieder einer sehr regen Beteiligung. Die rund 140 Einsendungen, die bis Mitte April in Shanghai eintrafen, waren ein ermutigendes Zeichen für das wiedererwachte Interesse an der Literatur und am Übersetzen. Zwar stammte die Mehrzahl der Entwürfe (120) auch in diesem Jahr wieder von chinesischen Germanisten, doch waren auch unter den 20 Beiträgen deutscher Sinologen ganz beachtliche Vorschläge. Die jungen Übersetzer aus beiden Ländern wurden aufgrund der hohen sprachlichen Dichte beider Texte auch dieses Mal wieder vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Ist Übersetzen "Frauen-Sache"? Die Zusammensetzung der 6 von der Jury ausgewählten Gewinner legt diesen Schluss nahe. So ging der 1. Platz für die Übertragung des chinesischen Textes ins Deutsche an Frau Jessica Matherly (Sinologie Uni Zürich), auf der chinesischen Seite war Frau Wang Liping vom deutschen Generalkonsulat die Gewinnerin. Die 2. und 3. Plätze gingen auf der einen Seite an Torsten Schulze und Gesche Schröder sowie an Frau Xu Jun und Frau Li Qi, letztgenannte eine Germanistik-Absolventin der Uni Konstanz. Ein Glückwunsch an alle Gewinner in der Hoffnung, dass auch alle, die in diesem Jahr nicht so erfolgreich waren, es im kommenden Jahr noch einmal versuchen!